Narben

Es war eisig kalt. Und das mitten im Juli. Yasemin und ich saßen auf dem Dach eines Hochhauses irgendwo in Berlin. Wir waren nach der Schule losgelaufen. Ich hatte nicht darauf geachtet wohin. Mittlerweile waren bestimmt zwei Stunden vergangen. Yasemin hatte ununterbrochen erzählt. Nun schwiegen wir.
Ich war in Gedanken bei den Dingen die Yasemin mir erzählt hatte. Ihr brutaler Vater, ihre alkoholkranke Mutter, ihre verstorbene Schwester - totgeprügelt vom Vater. Ich hatte von alldem nichts gewusst. Keiner hatte was gewusst. Und alle dachten wir, Yasemin sei eine totale Spinnerin. Dabei war nur ihr Leben, falls man das so nennen konnte, verrückt. Sie keinesfalls. Aber Narben auf der Seele sind nunmal nach aussenhin nicht sichtbar.
Irgendwann sagte sie: "Lass mich allein, Anna." Zögernd erhob ich mich und verließ das Hochhaus. Erst als ich zwei Häuser weiter war, drehte ich mich nocheinmal um. Yasemin stand auf dem Dach, ihr Kleid und ihr langes schwarzes Haar wehten im Wind. Ich wusste was sie vorhatte. Ich drehte mich um und ging weiter. Und Yasemin sprang. Es war eisig kalt. Und das mitten im Juli.

by Ravna

Meine Dunkelheit

Ich sitze in meinem Zimmer... die Sonne geht unter... der Himmel ist rot... so rot wie meine Hände...
Blut... überall...auf der Bettwäsche... auf dem Fußboden... Noch ein Schnitt... es tut nicht weh... wann hat es das letzte Mal weh getan?
Ich tropfe das Blut auf ein Blatt Papier... mit meinen Fingern schreibe ich: WEIL ES HOFFNUNGSLOS IST
Ich starre aus dem Fenster... es wird immer dunkler... in mir ist es schon lange dunkel... wann war ich das letzte Mal glücklich?... so richtig glücklich... ich kann mich nicht mal mehr erinnern...
"Wie kann man sich nur wegen jedem Scheiß ritzen?!"....ja... das hat sie gefragt... sie hat keine Ahnung von mir... ich starre auf meine blutigen Hände... auf die Narben... aber nicht nur sie hat mich das gefragt... nein auch Martin... nein, er hat nicht gefragt... es war eine Feststellung... "Mädchen ritzen sich einfach wegen jedem Scheiß... weil sich's so gut anfühlt"... das hat er gesagt... in einem herablassenden Ton... als ich ihm meine frisch zerschnittenen Unterarme hinhielt war er plötzlich still... und ich habe geweint... alle regen sich darüber auf... ohne auch nur irgendwas davon zu verstehen... sie reden nur groß... "Du hast doch keine Probleme...", "Du willst doch nur Aufmerksamkeit erregen...", "Das ist doch einfach nur krank..." ...denken sie, sie würden mir damit helfen?! Glauben sie, ich werde dann aufhören, wenn sie mich noch weiter fertig machen?! "Du bringst dich ja nicht um... also wofür machst du das dann?!", "Du bist doch viel zu feig, um tiefer zu schneiden!" ...ja... sie haben ja alle so recht... sie wissen genau was ich fühle, und wie es mir geht! ...NEIN... gar nichts wissen sie... NICHTS!!!
Noch ein tiefer Schnitt... damit ich alleine sein kann... in meiner Dunkelheit...

by sister of night

Das wars...

 

Sie war nichts besonderes, sie war halt einfach da, in der Klasse. Keiner bemerkte sie wirklich, nur beim Sportunterricht wurde sie manchmal komisch angestarrt. Im Sportunterricht konnten alle ihre Arme sehen, die sonst von langen schwarzen Blusen verdeckt wurden. Ihre Arme waren rot und zerkratzt, doch das kümmerte niemanden. Sie hatte keine Freunde. Wenn doch jemand fragte, warum ihre Arme blutig waren, antwortete sie nur "Katze".
Für die meisten war sie uninteressant, halt eine Aussenseiterin. Als ich vor einigen Wochen in die Klasse kam, sollte ich mich neben sie setzen. Wir redeten nicht viel, doch trotzdem hatte ich das Gefühl in ihr eine Freundin gefunden zu haben. Doch die anderen der Klasse sagten, dass ich besser nicht mit ihr reden sollte, also tat ich das nicht mehr. Ich wollte dazu gehören...
Heute bereue ich den Entschluss, denn ich hatte nie die Möglichkeit Josephina richtig kennenzulernen. Josephina nahm sich am 12.6.2000 das Leben. Ich erzähle euch das, weil ich nicht möchte, dass es weiteren Menschen so ergeht. In ihrem Abschiedsbrief schrieb Josephina folgendes: "Ich weiß, dass ich niemals wirklich dazugehört habe. Nur im Tod finde ich Frieden. Ich bedauere ,dass ihr meinen Schrei nicht gehört habt, dass ich niemals dazugehören durfte. Doch jetzt bin ich frei. Jetzt bin ich endlich bei der einzigen Person, die mich versteht: Mein Bruder.

by Miriam



 

Die Seele stirbt...

Sie sitzt da, die Augen geschlossen und lauscht der Musik. Leise dringen die Klänge aus dem Radio.
Langsam löst sich eine Tränen aus ihren Wimpern, rinnt die Wangen hinunter und tropft auf den Boden. Viele Tränen folgen. Sie wünscht, es wäre jemand hier, um sie in den Arm zu nehmen, um ihre Tränen weg zu wischen, ihre Schmerzen weg zu küssen. Doch sie ist alleine, einsam. Sehnt sich nach tröstenden Worten. Doch es ist niemand da. Keiner, der ihr Liebe schenkt.
Mit jeder Träne, die sie weint, verliert sie ein bisschen Hoffnung. Hoffnung auf ein Ende der Qualen und mit jeder Träne die zu Boden fällt, nimmt ihr Verlangen zu sterben zu. Immer wenn sie nach dem Leben greift, greift sie ins Leere.
Tausende Gedanken. An ihre Eltern, an ihre Freunde, an ihre grosse Liebe. Tausende Bilder, das Wut verzehrte Gesicht ihres Vaters, der traurige hilflose Blick ihrer Mutter, der bersorgte Ausdruck auf den Gesichtern der Freunde. Immer wieder klingen ihr SEINE Worte im Ohr.
Ihre Lippen formen ein Wort: HILFE!!!!!!!! Doch sie spricht es nicht aus, niemand kann ihr helfen. Ihr Leben entrinnt ihr.
Jeder Gedanke an die Zukunft macht ihr Angst.
Sie versucht gar nicht mehr glücklich zu sein, denn sie weiss, dass sie das Glück nich halten kann. Immer wieder wird es ihr genommen. So oft wurde sie zu Boden gezwungen und jedes Mal ist sie wieder aufgestanden und hat weiter gekämpft. Doch jetzt kann sie nicht mehr. Sie ist am Boden liegen geblieben. Sie hat keine Kraft mehr zu kämpfen. Sie hat keine Energien mehr, ihre Reserven sind aufgebraucht.
Immer hat sie ihre Maske mit dem lachenden Gesicht getragen. Doch die Maske ist zerbrochen. Jetzt kommt ihr wahres Gesicht zum Vorschein. Traurig, verzweifelt!! Immer wieder hat sie nach Hilfe geschrien, aber keiner hat sie gehört.
Der letzte Funke Lebenswille entweicht. Sie hat keinen Mut mehr, ist nicht stark genug sich dem Leben zu stellen. Immer war sie die Starke, die schützend den Arm um die anderen gelegt hat, doch jetzt zeigt sich ihr echtes Wesen. Die verletzliche, zerbrechliche Seele kommt zum Vorschein.
Immer noch kullern die Tränen über ihre Wangen. Die Narben ihrer Seele brennen wie Feuer! Sie hat all ihre Liebe gegeben. Doch jetzt kann sie nicht mehr. Sie hat keine Kraft mehr zu lieben, keine Kraft mehr zu leben...

by bixi

Einsam  

Einsam sitzt er am Waldrand und schaut sich den Sonnenuntergang an. Niemand ist da, der mit ihm dieses Bild genießt. Niemand der ihn mal in den Arm nimmt... Er will jemanden haben, der für ihn da ist, jemand der ihn liebt, so wie er ist. Doch kann man ihn überhaupt lieben? Wie soll man jemanden lieben, der sich selbst hasst? Er weiß es wird sein letzter Sonnenuntergang sein!
Langsam nimmt er die Klinge aus seiner Tasche und schneidet sich die Pulsadern auf. Erst langsam und sachte dann immer tiefer...und er weint, denn er wird so sterben, wie er gelebt hat:
EINSAM

by Aragorn

Nur zur Hälfte

 

Sie sass da und packte ein Geschenk ein. Ihre kleine Nichte hatte Geburtstag und sie wollte es ihr schenken. Wieso musste das Ding so eine unmögliche Form haben? Nervös fummelte sie am Papier herum. Es wollte einfach nicht gelingen. Seufzend stand sie auf und wollte gehen. Doch sie zuckte zusammen. Ihre Mutter schrie sie grauenhaft an. Sie würde immer alles nur zur Hälfte machen. So würde sie nie weiterkommen. Die Mutter warf ihr das Paket und die Schere vor die Füße. Alice zitterte.
Schon immer hatte sie Probleme mit ihrer Mutter gehabt. Sie wäre nicht selbstständig, hätte keine Talente, solle sich doch auf die Strasse stellen ... Jeden Abend, wenn Alice schlief, kam ihre Mutter in ihr Zimmer und kontrollierte alle Schulhefte. Sie war immerhin 14 ...
Den Tränen nahe rannte Alice ins Zimmer und schloss die Tür hinter sich zu. Sie liess sich auf ihr Bett fallen und starrte vor sich hin. Der Wunsch zu weinen war verschwunden. Viel mehr sehnte sie sich nach etwas Anderem ... Alice strich sich über die völlig vernarbten Arme und lächelte kalt.
Sie suchte etwas in ihrer Tasche und zog es heraus. Da war es wieder, das kleine, scharfe, silbergraue Monster. Sie warf es kurz in die Luft, fing es wieder auf und setzte es sofort an. Bald spürte sie das warme rote Blut über ihre Hose laufen. Aber diesmal würde sie es nicht nur zur Hälfte machen! Sie kroch unter die Bettdecke und tat den letzten erlösenden tiefen Schnitt. Sie ließ sich vollkommen fallen, schloss die Augen, fühlte sich komisch ... und dann gar nichts mehr.
Und ihre Mutter kam und kontrollierte die Schulhefte ...

 by BabyDee

Traumwelt

 

Sie stand vor dem Spiegel der ihr Zimmer schmückte, ihren Pulli hochgekrämpelt. Das was sie sah erschreckte das Mädchen, Narben, Narben..., so viele Narben, an ihrem Körper waren so viele, doch die seelischen waren weitaus mehr, diese sah niemand. Sie hieß Alicia. Alicia fragte sich täglich nach dem Sinn des Lebens, oder einen Grund warum sie hier auf der Erde lebt, eine Antwort fand sie nicht. Heute war der Tag an dem sie aufbrechen wollte, um ein neugeborener Engel zu werden. Alicia wollte nicht sterben, eigentlich, doch sie wollte tot sein. Ein kleiner Zettel auf ihrem Bett, von ihr, ein Abschiedsbrief, mit nur ein paar Wörtern, es stand geschrieben: "Es wird ein neues Leben für mich beginnen, eines ohne roten Tränen, vergesst mich nie, ich liebe euch!"
Dann ging sie los, eine Packung Tabletten in ihrer Tasche, zu ihrem lieblings Platz, die alte Weide. Vorbei an so vielen Menschen, glückliche Kinder, alte fröhliche Leute, da überkam es Alicia, sie fing an zu weinen, weiße Tränen, ohne einen wirklichen Grund zu wissen, oder vielleicht einfach nur wegen der Tatsache, dass ihr Leben unglücklicher verlief, niemand der Menschen wusste was das Mädchen wollte, Alicia fragte sich, ob sie helfen würden, würden sie es wissen. Doch bald interessierten sie die Fragen nicht mehr. Die Wellen, schaukelten hin und her, ihr Leben war genauso unbeständig. Die Narben, die seelischen, waren nun deutlicher als jemals zuvor. Alicia schluckte die ganze Packung, keine roten Tränen mehr, nein, nur weiße. Nach kurzer Zeit fiel sie zu Boden, die blauen Augen durchnässt. In dem Moment fing die Sonne an zu scheinen, und der himmel verschloß sein Tor, er wollte keinen neuen Engel.
Alicia wachte im Krankenhaus auf, es regnete wieder...

by littletear

Unsichtbar für sie

Sie verließ das Gebäude so viele viele viele Kinder stürmten heraus, alle sahen sich um und suchten nach den Autos ihrer Eltern und sprangen in Busse, die sie nach Hause bringen sollten. Marie überquerte einfach die Strasse, sah geradeaus, die Autos fuhren an ihr vorbei. Mütter suchten nach ihren Kindern.
Sie stellte sich hinter eine Gruppe Kinder, die sich Bilder in der Auslage ansahen und sich gegenseitig anrempelten. Im Schaufenster, so viele lachende Gesicher....Cheese, würde der Fotograf sagen. Bitte lächeln. Marie lächelte den Kindern zu. Die Kinder rempelten sich weiter an, lachten, keines sah sie an.
Sie stellte sich in eine Eisdiele, wollte bestellen,  eine Kugel, Schokolade. Sie stand dort fünf Minuten und wartete bis sie dran war...doch immer kamen die Menschen hinter ihr dran. Sie ging ohne ihr Eis wieder hinaus.Sie stand an der Strasse, am Zebrastreifen, kein Auto hielt, nach fünf Minuten kam eine hübsche Blondine mit Kilometerbeinen und schon hielt der erste Wagen. Marie lief hinter ihr über den Zebrastreifen und schlug dann einen anderen Weg ein. Der Fahrer des Wagens hupte der Blondine und fuhr dann an Marie vorbei ohne sie eines Blickes zu würdigen.
Sie kam heim, machte die Wohnungstür auf, die Katze spazierte an ihr vorbei, den Blick starr nach vorne gewand, ihre Mutter sah in den Kochtopf, als sie sie begrüßte. Marie ging ins Bad, packte eine Klinge aus und setzte sie an, schnitt einmal über ihre Wange, noch einmal über die andere.
Ja, jetzt würden sie sie ansehen. Zufrieden lächelte sie ihrem Spiegelbild zu und es lächelte zurück.

by Heike

 

Endgültig verloren

; mso-fareast-language: DE; mso-bidi-language: AR-SA">Kämpfend bin ich immer wieder aufgestanden, habe alle Qualen über mich ergehen lassen und es schließlich immer wieder geschafft zu gewinnen... Doch der Tag ist gekommen, an dem ich endgültig verloren hab! Ich habe alles kaputt gemacht, ich bin nun ganz alleine, keiner nimmt mich mehr ernst, ich bin eine Versagerin, eine Lügnerin. Ein letztes Mal werde ich noch  mein Haupt erheben, meine letzten Kräfte sammeln, mich euch gegenüberstellen und zeigen, dass ich keine Lügnerin bin, dass IHR verloren habt... Im Meer von Tränen steige ich die vielen Treppen hinauf zum Dach, bis in den 15. Stock. Ein letztes Mal genieße ich den Blick über die Dächer der Stadt, in der ich geboren und aufgewachsen bin. Hinter den Hügeln seh ich die Sonne untergehn. Mit ihr werde auch ich mich verabschieden. Eine letzte Träne, ein letztes Gebet, ein gedanklicher Abschied von meinen Liebsten, dann schließe ich die Augen und lasse mich fallen. Es geht sehr schnell, Sekunden bis zum Aufprall und doch eine Ewigkeit. Mein Kopf ist leer, ich fühle mich glücklich. Ein letztes Lächeln in meinem Gesicht, dann bin ich Erlöst!

by Mona


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