Definition der Angst- und Panikstörung (Phobie)

Angst ist ein Gefühl, das wohl jedem Menschen bekannt ist. Es ist aber trotzdem sehr schwer, den Begriff der Angst allgemeingültig zu definieren. Grundsätzlich kann sie wohl als ein unangenehm empfundenes Gefühl von Bedrohung beschrieben werden. In diesem Rahmen hat Angst durchaus auch eine nützliche Funktion, da sie ein Alarmsignal ist, das Aktivitäten zur Beseitigung einer Gefahr auslösen kann. Nach Beseitigung dieser Bedrohung sollte aber auch die Angst verschwinden.

Bei der krankhaften Angst (Phobie) ist es aber so, dass die natürlichen körperlichen und geistigen Abwehrfunktionen wie gelähmt sind. Angst kann besonders dann als Krankheit angesehen werden, wenn sie scheinbar grundlos auftritt oder übermäßig oder gar nicht ausgeprägt ist.

Unter der Bezeichnung Angst- und Panikstörung werden folgende unterschiedliche Formen zusammengefasst:

- generalisierte Angst, die den Betroffenen ohne äußeren Anlass überfällt

- phobische Angst, die sich als eine zwanghafte Befürchtung zeigt, welche sich angesichts bestimmter Situationen und Objekte aufdrängt, obwohl der Patient weiß, dass diese Angst unbegründet ist

- Panik, die eine ohne sichtbaren Anlass entstehende intensive Angst bezeichnet, und die meist attackenartig auftritt.

Im Zusammenhang mit diesen Störungen treten sowohl seelische als auch körperliche Beschwerden auf. Die Folgen der Erkrankung führen häufig zu einer Beeinträchtigung des sozialen Bereichs.

Symptome und Untertypen

1. Panikstörung

Bei dieser Erkrankung treten wiederholt Panikattacken auf. Unter Panikattacken versteht man das plötzliche Auftreten intensiver Angst. Innerhalb weniger Minuten steigert sich die Angst zu einem Höhepunkt. Neben psychischen Anzeichen treten auch ausgeprägte körperliche Symptome wie Herzrasen, Beklemmungsgefühle, Atemnot und Zittern auf. Viele Patienten empfinden starkeTodesangst. Häufig entwickelt sich eine Erwartungsangst vor der nächsten Attacke, auch sozialer Rückzug kann eine Folge der Panikstörung sein. Die Dauer einer Panikattacke schwankt von einigen Minuten bis zu einigen Stunden, in den meisten Fällen hält sie aber 10 bis 30 Minuten an. Wenn die körperlichen Symptome einer Panikstörung sich auf das Herz konzentrieren, spricht man von einer Herzphobie. Von dieser Form der Panikstörungen sind am häufigsten Männer im mittleren Lebensalter betroffen. Sie wird vermutlich oft durch eine Herzerkrankung im näheren Umfeld des Patienten ausgelöst oder auch durch allzu intensive Beschäftigung mit diesem Krankhei
tsbild. Angst allgemeingültig zu definieren. Grundsätzlich kann sie wohl als ein extrem unangenehm empfundenes Gefühl von Bedrohung beschrieben werden. Angst hat im Zuge der Evolution durchaus auch eine nützliche Funktion, da sie ein Alarmsignal ist, das Aktivitäten zur Beseitigung oder zum Vermeiden einer Gefahr auslösen kann. Nach Beseitigung dieser Bedrohung sollte aber auch die Angst verschwinden. Es lassen sich im Prinzip die drei folgenden Arten von Panikattacken unterscheiden:

- Spontane Panikattacken
- Angstbedingte Panikattacken
- Situationsbedingte Panikattacken

 

2. Generalisierte Angststörung

Hierbei handelt es sich um langanhaltende Angst, die nicht nur auf bestimmte Situationen oder Objekte begrenzt ist. Der Patient kann sich nur kurzfristig von dieser Angst ablenken oder distanzieren. Es zeigen sich folgende typische Symptome:

- Motorische Spannung, die durch Zittern, Muskelanspannung und Ruhelosigkeit gekennzeichnet ist.

- Unkontrollierbare Übererregbarkeit, die sich durch Beklemmungsgefühle, Schwitzen, Mundtrockenheit und Schwindel äußert.

- Übermäßige Wachsamkeit und erhöhte Aufmerksamkeit, die sich durch ein Gefühl der Anspannung, übermäßige Schreckhaftigkeit, Ein- oder Durchschlafschwierigkeiten und Reizbarkeit bemerkbar macht.

 

3. Phobien

Diese Angststörung wird als eine unvernünftige, sich entgegen besserer Einsicht zwanghaft aufdrängende Angst vor bestimmten Gegenständen oder Situationen definiert. Es werden die folgenden Erscheinungsformen unterschieden:

Agoraphobie (Platzangst):

Bei dieser Störung besteht Angst vor solchen Situationen, in denen sich der Betroffene außerhalb seiner gewohnten Umgebung aufhält. Typische Situationen sind der Aufenthalt auf öffentlichen Plätzen oder in Menschenmengen und weite Entfernung von zu Hause. Der Patient fürchtet in solchen Situationen, nicht flüchten zu können, wenn die hilflosmachenden oder peinlichen Symptome wie Schwindel oder Verlust der Blasenkontrolle auftreten. Infolge dieser Befürchtungen meidet der Patient die angstauslösenden Situationen, was eine zunehmende Einschränkung seiner Bewegungsfreiheit zur Folge hat. Agoraphobie tritt häufig in Verbindung mit einer Panikstörung auf.

Soziale Phobie:

Ein Patient, der unter dieser Störung leidet, hat anhaltende, starke Angst vor Situationen, in denen er im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht. Eine typische Situation ist das Halten eines Vortrags vor Publikum. Der Betroffene weiß, dass die Angst unvernünftig und übertrieben ist, kann sich aber kaum dagegen wehren und versucht deshalb, die angstauslösenden Situationen zu vermeiden. Die soziale Phobie tritt häufig in Verbindung mit niedrigem Selbstwertgefühl und Furcht vor Kritik auf. Typische Symptome sind Erröten, Vermeidung von Blickkontakt, Händezittern, Übelkeit und Harndrang.

Spezifische Phobien:

Spezifische Phobien sind durch die anhaltende Angst vor einem spezifischen Objekt oder einer bestimmten Situation gekennzeichnet Die häufigsten Formen sind: Angst vor Tieren, insbesondere vor Hunden, Insekten, Schlangen oder Mäusen, Angst vor Blut, Angst vor geschlossenen Räumen, Höhenangst, Flugangst oder Angst vor Ansteckung. Diese Ängste sind auch in der Normalbevölkerung weit verbreitet, sie werden erst dann als krankhaft bezeichnet, wenn sie den Tagesablauf, die üblichen sozialen Aktivitäten oder Beziehungen beeinträchtigen oder erhebliches Leid verursachen. So kann es z.B. sein, dass ein Patient aus Angst, auf der Straße einem Hund zu begegnen, nicht mehr allein das Haus verlässt.

 

Ursachen

Über die Entstehung von Angst bestehen verschiedene, vielschichtige Theorien.

1. Psychoanalytische Theorien

Dieser Ansatz geht davon aus, dass die Bildung von Symptomen fast immer den Zweck hat, konflikthafte Bestrebungen und Einstellungen im Individuum durch einen Kompromiss miteinander zu versöhnen und so das psychische Gleichgewicht aufrecht zu erhalten. Misslingt eine solche Konfliktlösung tritt Angst auf. Auch wird angenommen, dass die betroffene Person in ihrer Entwicklung nicht die Fähigkeit entwickeln konnte, mit normaler Angst umzugehen. In konflikthaften Situationen erlebt die Person deshalb eine Überforderung, und es können alte kindliche Ängste in ihr aufsteigen. Auch treten besonders bei drohendem Verlust einer nahestehenden Bezugsperson oder sozialen Anerkennungsverlusten akute Ängste wie z.B. Trennungsangst auf. Was die Entstehung von Phobien angeht, so vermutet die psychoanalytische Theorie folgenden Mechanismus: Treten innerhalb eines Individuums Konflikte auf (z.B. verdrängte sexuelle Phantasien) werden diese durch Abwehrmechanismen nach außen verlagert. Bei einer Phobie hat der Betroffene dann ni
cht eigentlich Angst vor dem wirklichen Objekt, auf das er phobisch reagiert, sondern er fürchtet in Wahrheit die unbewusste Phantasie, die mit diesem Objekt in Verbindung steht. Die äußere steht also für eine innere Angst.

2. Lerntheoretische Erklärungen

Diese Erklärungen eignen sich insbesondere für die Beschreibung der Entstehung von Phobien. Es wird ein mehrstufiger Prozess angenommen. Zunächst "erlernt" eine Person die Angst vor einer ehemals neutralen Situation. Am Beispiel der Flugangst erklärt bedeutet das: Eine Person, die nie Angst vor dem Fliegen hatte, erlebt bei einem unruhigen Flug die Angst abzustürzen. Die ehemals neutrale oder sogar als angenehm erlebte Situation des Fliegens ist nun mit Angst besetzt. Würde diese Person sich danach wiederholt dieser Situation aussetzen und dabei sehen, dass die Angst unbegründet ist, würde das Fliegen seinen bedrohlichen Charakter verlieren. Die erworbene Angst vor dem Fliegen hält aber die Person davon ab, sich dieser Situation erneut auszusetzen. Auf diese Weise wird durch die Vermeidung der angstbesetzten Situation die Angst aufrechterhalten, denn die Vermeidung der Situation wird durch das Ausbleiben der Angst "belohnt". Es kann auch Angst vor einer Situation oder einem Objekt erworben werden, mit der/dem
die Person selbst noch nie schlechte Erfahrungen gemacht hat. So kann beispielsweise bei einem Kind schon Angst vor einer Maus entstehen, weil es gesehen hat, mit welcher Angst seine Mutter auf den Anblick einer Maus reagiert hat. Durch diese Beobachtung hat es gelernt, dass eine Maus etwas ist, wovor man Angst haben muss. Bei der Entstehung und Aufrechterhaltung von Angst spielt auch die Wahrnehmung körperlicher Symptome eine wichtige Rolle. Verspürt eine Person Angst, stellen sich bei ihr körperliche Reaktionen wie z.B. Herzrasen ein. Diese Symptome werden vom Betroffenen subjektiv als Gefahr gedeutet, was dazu führt, dass das Angstgefühl noch verstärkt wird. Das wiederum trägt im Rahmen einer Stressreaktion zur Verstärkung der körperlichen Symptome bei. Es hat sich auf diese Weise ein Teufelskreis gebildet, der die stete Zunahme der Angstsymptomatik bewirkt. Die Lerntheorie kann auch erklären, warum es im Zusammenhang mit Panikstörungen zum Auftreten von Erwartungsangst kommt. Durch das eventuell wiederholte Auftreten einer Panikattacke wird Angst vor weiteren Attacken ausgelöst; eine Angst vor der Angst entsteht.

3. Neurobiologische Aspekte

Die oben beschriebenen Erklärungen suchen die Ursachen für Angst- und Panikstörungen in bestimmten Umweltbedingungen. Aber warum entwickeln nicht alle Menschen unter ähnlichen Lernbedingungen Phobien?

Es wird davon ausgegangen, dass nicht allein schlechte Lernerfahrungen zu der Ausbildung einer Phobie führen, sondern dass dazu zusätzlich eine biologische Disposition bestehen muss. Ein Faktor, der hierbei eine Rolle zu spielen scheint, ist die Labilität oder Stabilität des autonomen Nervensystems. Das autonome Nervensystem reguliert und kontrolliert die Funktionen der inneren Organe, z.B. Herz und Atmung. Bei Angstpatienten scheint es so zu sein, dass sie über ein labiles autonomes Nervensystem verfügen, das leicht durch verschiedenste Reize erregt werden kann. Dies führt dazu, dass Angstsymptome besonders schnell ausgebildet werden können. Die Labilität des autonomen Nervensystems scheint angeboren zu sein. So zeigt sich auch, dass genetische Faktoren an der Entstehung von Angst- und Panikstörungen beteiligt sind. Untersuchungen haben ergeben, dass Verwandte ersten Grades von Angstpatienten eine höhere Erkrankungswahrscheinlichkeit haben als Verwandte Nichtbetroffener. Es ist allerdings nicht klar, ob diese Ergebnisse nur auf genetische Faktoren zurückgeführt werden können, denn Verwandte ersten Grades leben häufig auch in der gleichen Umwelt oder sie sind bzw. waren ähnlichen Einflüssen ausgesetzt. Falls also Umweltfaktoren die Entstehung von Angsterkrankungen beeinflussen, wie es z.B. die Lerntheorie annimmt, könnte das der Grund für die höhere Erkrankungswahrscheinlichkeit im verwandtschaftlichen Umfeld Betroffener sein. Weitere neurobiologische Befunde zeigen, dass bei Angstpatienten Besonderheiten bezüglich der Aktivität bestimmter Hirnregionen und der zugehörigen Botenstoffe vorliegen.

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